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Therapeut / Klient - Meister / Schüler

 

Das Spiegelsein ist ein sehr umfangreiches, umfassendes Thema. Alles ist Spiegel, doch Spiegelsein ist mehr als ein Ist. Alles, was du reflektierst, kannst du nur reflektieren, wenn du Spiegel bist. Du wirst immer etwas reflektieren und so wirst du immer Spiegel sein. Andere Menschen werden auch immer etwas ausstrahlen. Du kannst Spiegel sein, indem du mit ihren Themen in Resonanz gehst, aber du kannst auch Spiegel sein, indem du ihre Themen wahrnimmst und ihnen direkt widerspiegelst, sodass sie in dir ihre Themen erkennen. Ihre Aufgabe ist es dann, sich selbst in diesem Spiegel zu erkennen und sich nicht zu vergleichen in denselben Themen, die du vielleicht haben könntest.

Und so ist eine Trennung zu ziehen zwischen therapeutischer Arbeit und der Arbeit eines Meisters und dem Meistersein.

Ein Therapeut hat einen Klienten, ein Klient hat einen Therapeuten. Beide müssen sich auf derselben Wirkungsebene bewegen, sonst gibt es kein Therapeuten-Klienten-Verhältnis. Es gibt kein Besser oder Schlechter, es gibt nur die eine und die andere Seite auf dieser Wirkungsebene. So ist der Klient der Hilfesuchende und der Therapeut der Hilfegebende. Doch oftmals stellt sich der Therapeut über den Klienten, weil er im Pluspol ist und glaubt, etwas Besseres zu sein. Dies ist nicht der Fall, dies ist ein Spiel des Egos. Der Therapeut ist mit dem Klienten immer gleichwertig. Sonst kann er nicht Therapeut sein. Der Klient leidet unter seinem Thema und sucht deswegen Hilfe. Der Therapeut leidet nicht unter diesem Thema, deswegen gibt er Hilfe. Doch beide haben dieselben Themen, bewegen sich auf derselben energetischen Schwingung. Und so ist verständlich, umso mehr Themen ein Therapeut hat, umso mehr Klienten wird er anziehen. Denn er ist der Pluspol und die Klienten sind der Minuspol. Der Klient wird zum Klienten, weil er nicht die Fähigkeiten, nicht das Wissen hat, um mit den Themen so umzugehen. Der Therapeut schöpft aus dem Pluspol. Dies kann bedeuten, dass er Fähigkeiten und Wissen hat, mit diesen Themen umzugehen – auch bei sich selbst. Oder, dass er aus dieser Pluspolenergie so viel Energie schöpft, um sich über seine eigenen Themen hinwegzustellen, sie zu verdrängen, sie beiseite zu stellen – dadurch zu glauben, er habe sie gelöst und könnte nun glauben, anderen zu helfen, dies zu tun.

Doch die Hilfe, die ein Therapeut geben kann, kommt selten aus einem Verhältnis heraus, dass er seine Themen bereits gelöst hat. Sondern aus dem Verhältnis, dass er in Resonanz gehen kann, im besten Fall Mitgefühl zeigen kann für seinen Klienten. Im schlechtesten Fall mitleidet. In beiden Fällen fühlt sich der Klient gesehen, akzeptiert, berührt. Das öffnet den Klienten, damit Energie fließen kann. Hilfsenergie, Heilungsenergie – so heilt sich der Klient selbst in der Begegnung und der Berührung mit dem Therapeuten. So hat der Klient oft mehr Nutzen von der Begegnung als der Therapeut selbst.

Der Therapeut zieht seinen Nutzen über Umwege, über einen finanziellen Ausgleich z. B. Doch wenn es um die menschliche, persönliche Entwicklung geht, entwickelt sich der Klient schneller und weiter als der Therapeut. Therapeut sein bedeutet auch in gewisser Weise eine Stagnation, im menschlichen Sinne, nicht im seelischen Sinne. Wenn er Therapeut ist und sich in dieser Rolle wohlfühlt, wird er immer Therapeut bleiben, so stagniert seine Entwicklung. Auch der Klient wird sich weiterentwickeln, über sein Klientsein hinaus, vielleicht sogar bis zu einem Punkt, wo er selbst Therapeut wird und dann selbst Klienten hat. Es ist ein Wechselspiel ein und derselben Energie. Minus- und Pluspol. Klient und Therapeut. Und jeder Therapeut, der glaubt, etwas Besseres zu sein, weil er Therapeut ist, unterliegt seinem eigenen Ego, unterliegt seinen eigenen Ängsten, ohne sich dessen bewusst zu sein. Denn der Therapeut ist nicht besser als der Klient. Doch der Name suggeriert etwas Besseres. Doch wenn man dahinter schaut, die Wertung rausnimmt, ist es nur ein Plus- und ein Minuspol derselben Energie. Der Pluspol – der Therapeut – ist nicht besser als der Minuspol – der Klient. Und so ist es auch möglich, dass diese Pole wechseln, der Therapeut sehr schnell zum Klienten werden kann und der Klient sehr schnell zum Therapeuten werden kann. Ein Wechselspiel ein und derselben Energie, ein Wechselspiel ein und derselben Themen.

Wenn ein Klient mit einem Thema zu einem Therapeuten geht, kann man sicher sein, dass der Therapeut dasselbe Thema in sich trägt, nur eine andere Art und Weise gefunden hat, damit umzugehen, oder es soweit verdrängt, dass er es selbst nicht mehr wahrnimmt. Doch hinter all diesem, wie wir bereits schon sagten, liegt nicht das Ergebnis, das der Therapeut erreicht, indem der Therapeut glaubt, er habe den Klienten geheilt, dies kann er nicht. Der Klient kann sich nur selber heilen. Aber - durch die Berührung des Minuspols des Klienten mit dem Pluspol des Therapeuten entsteht eine Öffnung im Klienten. Durch diese Öffnung kann Energie fließen, die zur Heilung beiträgt. Doch es ist nicht die Energie des Therapeuten, denn diese Energie trägt der Klient in einer anderen Form schon in sich. So geht es bei einem Klienten-Therapeuten-Verhältnis immer um die Öffnung des Klienten, um ein sich Einlassen. Der Therapeut unterstützt diesen Prozess, weil der Klient Vertrauen aufbaut.

Ganz anders verhält es sich in einem Verhältnis zwischen einem Meister und Schüler oder Lehrer und Schüler, oder welche Worte auch immer ihr dafür benutzen wollt. Ein Schüler geht mit seinem Meister in Resonanz – nicht, weil beide das gleiche Thema haben, nicht weil der Meister etwas anbietet, nicht weil der Meister den Schüler therapieren kann oder will. Es ist ein Unabhängigkeitsverhältnis.

Der Meister ist Meister, weil er Meister ist, weil er in seinem Sein ist. Weil er nach innen strahlt und das Innere von ihm abstrahlt und so tauchen Schüler, Novizen ein in dieses Feld, nicht, weil sie therapiert werden wollen, sondern weil sie diese Energie aufnehmen wollen, darin baden wollen, seinen Rat suchen, sein Wissen suchen, seine Erkenntnisse suchen, in seinem Sein präsent sein wollen, auftanken wollen in dieser Energie, in dem Gefühl, in dem Wissen, mit dem Bewusstsein, dass es ihnen hilft auf allen Ebenen. Es ist ein größeres, ein tieferes Vertrauen.

Denn ein Schüler kommt nicht mit einem Problem zu einem Meister. Das Problem verliert seinen Wert.

Ein Schüler kommt mit seiner Energie zu einem Meister, weil er ein Gefühl hat für seine Energie und spürt, dass die Energie des Meisters höher schwingt. Und so taucht der Schüler in seiner eigenen Energie in das Seinsfeld des Meisters hinein und fühlt sich gestärkt, fühlt sich energetisiert, fühlt sich geöffnet, fühlt sich angenommen, spürt Vertrauen und Liebe – nicht, weil sie gegeben wird, sondern weil sie vorhanden ist. Er spürt Vertrauen, nicht, weil Vertrauen gegeben wird, sondern weil es in einem Seinsfeld vorhanden ist.

Und so verlieren die Themen des Schülers an Wert, denn er weiß, es hilft nicht, den Fokus auf ein Thema zu legen, denn das macht eng.

Zu einem Meister geht man, weil man sich öffnen möchte, weil man bereit ist, sich zu öffnen. Und in diese Öffnung fließt Energie zu allen Themen, die vorhanden sind. Ob man sich dessen bewusst ist oder nicht, ob man davon weiß, oder nicht, ob man sie fühlt oder nicht spielt in diesem Fall keine Rolle mehr. Die Öffnung ist wichtig. Dort ist der einzige Bezug von Klient und Schüler – es geht um die Öffnung. Obwohl der Therapeut im Geben ist, im Geben von Vertrauen, im Geben von Liebe, in einer Ausstrahlung aus seinem Umfeld heraus, nicht aus seinem Inneren heraus – darin liegt der Unterschied zu einem Meister.

Ein Meister ist präsent in seiner Energie, strahlt nach innen, wirkt nach außen.

Ein Therapeut strahlt nach außen, doch das Innen ist dunkel.

Wenn ein Therapeut beginnt, nach innen zu strahlen und aus dem Inneren heraus zu wirken, begibt er sich auf den Weg zur Meisterschaft. Auf diesem Weg muss er das Therapeutsein hinter sich lassen, denn dies wird ihn einengen, dies wird erschwerend für ihn wirken. Er muss sich aus dem Energiefeld Therapeut-Klient herausheben, denn dies ist ein Geben und ein Nehmen.

Wenn er sich auf den Weg zur Meisterschaft gibt, muss er sich lösen von Geben und Nehmen. Ein Meister gibt nicht, ein Meister nimmt nicht. Seine Schüler geben nicht und nehmen nicht. Und doch bekommen sie. Ein Meister bekommt, ohne dass gegeben wird, ein Schüler bekommt, ohne dass der Meister ihm etwas gibt. Es ist ein energetischer Austausch im Seinsbereich. So erschafft ein Meister ein Umfeld, in dem alles möglich ist. In diesem Umfeld ist auch ein Bekommen möglich. Jeder bekommt, doch keiner muss etwas geben – weder um zu geben, noch um zu bekommen. Und so kann ein Schüler in dieses Feld eintauchen, auftanken, sich erfüllen, sich auffüllen in seiner ganzen Wahrheit, in seiner ganzen Präsenz sein eigenes Wohl, sein eigenes Ich erkennen. Doch wird er dadurch nie zum Meister werden, wenn seine Zeit noch nicht gekommen ist.

Anders in einem Therapeuten-Klienten-Verhältnis. Denn ein Therapeut wird immer etwas geben, wird immer etwas nehmen. Ein Therapeut wird Worte geben, wird Wissen geben und seine Zeit geben. Und der Klient wird auch geben. In den meisten Fällen sind dies finanzielle Mittel, die er gibt. Der Therapeut wird nehmen. Dies ist in einem anderen Sinne kein Bekommen. Dies ist ein Geben und Nehmen, eine geplante Aktion, eine bewusste Aktion. Da steckt ein menschlicher Wille dahinter. Dadurch fällt es aus dem weiteren seelischen Bekommen heraus. Auch wenn dies im menschlichen Sinne als Bekommen interpretiert werden könnte.

Doch wir möchten hier einen expliziten Unterschied machen zwischen Geben und Nehmen im Klienten-Therapeuten-Verhältnis und dem Bekommen im Meister-Schüler-Verhältnis. Denn das Bekommen im Meister-Schüler-Verhältnis entsteht aus diesem Energiefeld heraus, aus dem Sein heraus. Kein Geben ist nötig, um zu bekommen und so kann der Therapeut und der Klient nichts bekommen, aber beide werden nehmen und beide müssen geben. So sind sie verbunden auf einer Ebene, Plus- und Minuspol. In diesem Sinne sind Schüler und Meister auch frei aus der Polarität. Sie bewegen sich auf einer Energie, doch sind sie nicht Plus- und Minuspol. In diesem Verhältnis ist die Polarität aufgehoben, denn Polarität ist ein Ist-Zustand, doch das Meister-Schüler-Verhältnis ist ein Seins-Zustand. Im Seins-Zustand gibt es keine Polarität, wohl aber Dualität.

Und so kreiert ein Meister ein Feld, in dem alles sein darf und ein Schüler tritt ein in dieses Feld. Nicht aus dem Bedürfnis heraus, ein Meister zu werden. Nicht aus dem Bedürfnis heraus, geheilt zu werden, therapiert zu werden, sondern aus dem Bedürfnis, in diesem Energiefeld präsent zu sein, einzutauchen in diese Schwingungen, ohne etwas zu fordern, ohne etwas zu wollen und sich dem Sein hinzugeben.

Ein Klient wird immer etwas wollen, wird immer etwas fordern und so wird es auch der Therapeut; er wird immer etwas wollen, immer etwas fordern, egal, wie subtil es ist. Und so hoffen wir, dass diese unsere etwas längere Ausführung für euch hilfreich und erläuternd war.